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Schärfere Gesetze sollen die Straßen sicherer machen!

Der Mai ist gekommen

Grußworte zum 57. Sudetendeutschen Tag

Das erste Tor der Fußball-Weltmeisterschaft schoss ein Sudetendeutscher!

 

 

1.Artikel

 

Schäfere Gesetze sollen die Straßen sicherer machen!

 

 

Seit dem 1. Juli gilt in der Tschechischen Republik eine neue Straßenverkehrsordnung! Tschechiens Straßen sollen sicherer werden. Das erhofft sich jedenfalls die Regierung mit der neuen Straßenverkehrsordnung, die am 1. Juli in Kraft getreten ist. Zudem will der Gesetzgeber mit der Novelle das tschechische Recht an EU-Niveau anpassen.

 

Die wichtigsten Änderungen sind die Einführung der ganzjährigen Lichtpflicht sowie ein Punktesystem, vergleichbar mit der Flensburger Verkehrssünderkartei. Alkohol am Steuer wird Straftat: Wer alkoholisiert oder unter Drogeneinfluss Auto fährt, bekommt nicht nur eine satte Geldstrafe, sondern kann auch mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft werden. Darüber hinaus gibt es – ja nach Alkoholisierungsgrad – zwischen drei und sechs Punkte. In der Tschechischen Republik gilt die 0 Promille Grenze! Drei Punkte auf ihrem Konto erhalten Fahrer auch, wenn sie innerorts 20 und außerorts 30 Stundenkilometer schneller fahren als erlaubt. Wer in den Kreisverkehr hineinfährt, braucht nicht zu blinken. Aber das Setzen des Blinkers ist erforderlich, wenn innerhalb des Kreisverkehrs die Spur gewechselt oder der Kreisel verlassen wird.

Wichtig für Brummifahrer: Die so genannten Elefantenrennen sollen endgültig der Vergangenheit angehören. Denn ab sofort dürfen Lastwagen über 3,5 Tonnen nur überholen, wenn sie erheblich schneller sind als ihre Trucker-Kollegen. LKW über 7,5 Tonnen haben sich auf neue Fahrverbotszeiten einzustellen. Von 1. Juli bis 31. August gilt das Fahrverbot am Samstagen nun ab 13 Uhr, bisher durfte man bis 20 Uhr fahren. Neu ist auch, dass am Freitag von 17 bis 21 Uhr der LKW auf den Parkplatz muss. Aber dieses Verbot gilt nur auf Autobahnen und Straßen der 1. Klasse. Gut vor allem für Kleinwagenbesitzer: Ab sofort dürfen Fahrzeuge auch quer oder senkrecht zum Gehsteig abgestellt werden. Ein entsprechendes Schild muss man nicht suchen. Allerdings sollte das Fahrzeug so abgestellt werden, dass auf der Fahrbahn ein Platz von mindestens drei Metern bleibt. Wer kleiner ist als 1,50 Meter und weniger als 36 Kilo wiegt, muss in den Kindersitz. Die Pflicht gilt auf tschechischen Strassen aller Kategorien. Wer sich nicht daran hält, bekommt zwei Punkte. Drei Punkte gibt es für das Telefonieren bei der Fahrt. Daher sollten sich Telefonierer unbedingt eine Freisprechanlage zulegen.

Teuer kann es werden, wenn man rasen und dabei sparen möchte. Radarfrühwarnsysteme sind in Tschechien verboten. Wer erwischt wird, muss bis zu 100 000 Kronen (3000 Euro) Strafe zahlen. Seit 1. Juli ist auch das Fahren ohne gültige Fahrerlaubnis ein Straftatbestand. Darüber hinaus müssen sich Autofahrer, die älter als 60 Jahre sind, alle zwei Jahre einer gesundheitlichen Kontrolle unterziehen. Das Attest muss der Fahrer stets bei sich haben. Auch für Radfahrer hat sich einiges geändert. So sind sie bis zum Alter von 18 Jahren verpflichtet, Schutzhelme zu tragen. Bisher lag die Grenze bei 15 Jahren. Außerdem müssen von nun an Radler auch ein Handzeichen geben, wenn sie einen Fahrradfahrer überholen. Reisende sollten auch auf Ersatzglühlampen und Warnweste nicht vergessen. Auch diese eigentlich unscheinbaren Kleinigkeiten werden gerne kontrolliert. Bei Beanstandungen werden Strafen zwischen 300 und 1000 Kronen fällig, das sind ca. 10 bis 33 Euro.  

 

 

 

 

2.Artikel

 

Der Mai ist gekommen! 

 

Welch eine Freude bei der Jugend in Hainspach: Die Gondel-Saison auf dem Hainspacher Schlossteich wurde eröffnet. Landsmann Kunert von der „Alten Post“ hatte alles vorbereitet, und frisch gestrichen schoben sich sechs Ruderboote in den dunkelblauen Teich. Ich weiß nicht mehr, was die Stunde kostete, aber es waren immer genug Interessenten da. Und die Insel zu umfahren, war stets ein besonderer Genuss. Denn dahinter versteckt, gab es so manchen ersten Kuss.

 

1940/41 – ich war damals Standortführer der HJ und habe gemeinsame Heimabende von BdM und HJ veranstaltet und sie bei schönem Wetter auf die Ruderboote am Schlossteich verlegt. Und dort sangen wir unsere Volkslieder. Der umwaldete Teich bot eine hervorragende Akustik, die bis im Dorf hörbar war. Die Leute kamen, setzten sich vor dem Schloss ins Gras oder flanierten in der Lindenallee. Es war eine wunderschöne Atmosphäre und die wurde mit viel Beifall bedacht.

 

Inzwischen wurde die Stimmung immer bedrückter. Die ersten Schwerverletzten und Tote aus dem Krieg wurden gemeldet. Im Schützenhaus wurde ein französisches Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Nur die Natur – der Schlossteich – blieb uns erhalten und damit auch die herrlichen Liederabende. Doch jetzt gab es eine neue Variante. Im Wechsel mit uns sangen die französischen Kriegsgefangenen ihre schönsten Lieder. Die Michel Friedel, die Neumann Traudl und die Vogtl Gretl müssten sich noch erinnern. Wir sangen „Lili Marleen“, und wenn dann leichter Nebel den Teich bedeckte, sangen wir:

 

Aus dem dunklen Raume, aus der Erde Grund,

hebt sich wie im Traume dein verliebter Mund.

Wenn sich die späten Nebel drehn,

werd ich bei der Laterne stehn,

wie einst Lili Marleen – wie einst Lili Marleen !

 

Das war Romantik und Sehnsucht pur und manche Träne ran. Danach sangen die französischen Kriegsgefangenen auf französisch – aber auch auf deutsch:

 

Komm zurück, ich warte auf Dich,

denn du bist für mich all mein Glück !

Komm zurück, ruft mein Herz immerzu,

nun erfülle Du – mein Geschick !

Ist der Weg auch weit, führt er Dich

und auch mich in die Seligkeit.

Komm zurück – komm zurück!

 

Eine tolle Darbietung mit viel Applaus! Beide Lieder haben Freund und Feind innerlich vereint – wie heißt es doch: „Musik kennt keine Grenzen!“ Hier wurde es Wirklichkeit.

 

Und was ist geblieben? Uns hat man vertrieben, die Franzosen sind abgezogen, das „Schützenhaus“ eine traurige Gaststätte. Nur der Schlossteich, die Lindenallee und die verwahrloste Ruine des Schlosses sind geblieben.

 

Trotz allem sollten sich auch heute die jungen Tschechen an schönen Frühlings- und Sommerabenden an den Ufern des Schlossteiches zusammenfinden und auch ihre schönen Lieder singen, z.B. „Pod nazˇima okny´, tecˇe vodicˇka …“. Vielleicht steigen auch mit dem Nebel die Voreingenommenheit und der z.T. noch vorhandene Hass gegen uns in den Himmel. Die Natur ist so friedlich, warum wir Menschen nicht auch?

 

Hermann Nadler 

 

 

 

 

3.Artikel

 

Grußworte zum 57. Sudetendeutschen Tag

 

 

 

Grußwort des Bayerischen Ministerpräsidenten

 

Mein herzlicher Gruß gilt allen Sudetendeutschen, die vom 2. bis 4. Juni 2006 zum Sudetendeutschen Tag in Nürnberg zusammenkommen. Ich freue mich schon auf die Begegnung mit Ihnen.

Sie bringen in diesem Jahr in ganz besonderer Weise die Erinnerung an Ihre Vertreibung mit. Vor 60 Jahren, 1946, kamen weit über 700 Züge mit rund 800 000 vertriebenen Sudetendeutschen nach Bayern. Die vertriebenen Sudetendeutschen standen hier vor dem Nichts.

In einer großen Gemeinschaftsanstrengung aller Bayern und aller Vertriebenen gelang die Integration. Sie wurden zum vierten Stamm Bayerns, der Bayerische Ministerpräsident zum Schirmherrn über die sudetendeutsche Volksgruppe.

Das Unrecht der Vertreibung ist zwischen Sudetendeutschen und Tschechen noch nicht aufgearbeitet. Diese große Aufgabe liegt noch vor uns. Voraussetzung dafür ist der gemeinsame Dialog, auf den wir seit Jahren hinarbeiten.

Im vergangenen Jahr gab es hoffnungsvolle Zeichen für Fortschritte im sudetendeutsch- tschechischen Verhältnis. Diesen Weg will ich gerade in diesem Jahr, 60 Jahre nach Ihrer Vertreibung, mit Ihnen zusammen weitergehen. Der Sudetendeutsche Tag in Nürnberg 2006 kann dazu ein Signal setzen. Als Schirmherr und Bayerischer Ministerpräsident heiße ich alle Sudetendeutschen in Nürnberg herzlich willkommen!

 

Dr. Edmund Stoiber

Bayerischer Ministerpräsident

 

 

 

Grußwort des Sprechers der sudetendeutschen Volksgruppe

 

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Landsleute!

 

Pfingsten, das „liebliche Fest“, steht vor der Tür. Es ist das Fest, an dem wir Sudetendeutschen uns treffen. Wir tun dies gerne; wir tun dies in heiterer Freude; wir tun dies in Gemeinschaftssinn.

Das Gefühl der Zusammengehörigkeit ist gefestigt worden durch die Vertreibung. Wir Sudetendeutsche waren ja unseres Eigentums, unserer Heimat und des Rechtsschutzes beraubt worden. Dieses bittere Schicksal hat uns nicht zermürbt, sondern zusammengeschweißt; es hat uns nicht entmutigt, sondern geschlossen und entschlossen gemacht.

Obwohl aller materiellen Güter beraubt und heimatlos geworden, haben wir die Wurzeln, aus denen wir zehrten, bewahrt. Das wiederum hat uns zu gewaltiger Aufbauarbeit befähigt. Mit Verwunderung sehen die, die uns alles genommen haben, dass wir jetzt in mancher Hinsicht besser dastehen als sie selbst. Uns gibt das Selbstbewusstsein und innere Souveränität; es befreit uns von Bitternis und Missgunst.

Der Blick zurück – auf erlittenes Unrecht ebenso wie auf eigene Verfehlungen – bleibt indes für uns unverzichtbar. Die Erinnerung befreit ja; und sie erlöst, wie Ben Elieser, ein weiser Rabbi, gesagt hat. „Das Vergessen dagegen führt ins Exil“, meinte er. Weil das so ist, halten wir nicht nur uns, sondern auch unseren früheren Landsleuten, den Tschechen, dort, wo es nötig ist, den Spiegel vor.

Die nächsten Jahre sind für uns von entscheidender Bedeutung. Die Zahl der Zeitzeugen, die Entrechtung und Vertreibung am eigenen Leib erlebt haben, wird immer kleiner. Das durchlebte Leid darf aber – damit es sich nicht so leicht wiederholt – nicht vergessen werden. Die Opfer der Jahre 1918 bis 1946 haben einen Anspruch darauf, ins Recht gesetzt zu werden. Die Gerechtigkeit ist die Grundlage des Friedens.

Ihr Johann Böhm

Sprecher der sudetendeutschen Volksgruppe

Präsident des Bayerischen Landtages a. D.  

 

 

 

 

4.Artikel

 

Das erste Tor der Fußball-Weltmeisterschaft schoss ein Sudetendeutscher!

                         

 

Fußball-Weltmeisterschaft 2006, Eröffnungsspiel in München, Deutschland gegen Costa Rica. Nach wenigen Minuten greift sich ein junger Mann namens Philipp Lahm den Ball, zieht leicht von außen nach innen, fasst sich ein Herz und schlenzt den Ball aufs Gehäuse. Es wird ein Traumtor, Innenpfosten Tordreieck, unhaltbar für den Torwart des mittelamerikanischen Gegners. Es steht 1 : 0 für Deutschland, das Spiel endet 4 : 2.

Warum ist diese Szene in einer sudetendeutschen Zeitung einer Erwähnung wert? Die Fußballanhänger haben sie sicherlich schon mehrfach gesehen, die Fußballmuffel interessiert sie ohnehin nicht. Der Torschütze, Philipp Lahm, aber interessiert. Der junge Mann, Jahrgang 1983, hat nämlich sudetendeutsche Wurzeln. Sein Großvater Rudolf wurde in Schönbrunn/Kreis Tachau geboren, und wie zu hören war, steht der junge Fußball-Nationalspieler auch zu den Wurzeln seiner Herkunft. Mittlerweile hat er auch den Kontakt zur Heimatgemeinde seines Großvaters aufgenommen.

Der gelernte Bankkaufmann und derzeitige Profi beim FC Bayern München war vor seiner „Rückholung“ zum deutschen Rekordmeister an den VfB Stuttgart ausgeliehen, musste aber nach einem Fußbruch monatelang pausieren. Zuletzt geriet sogar noch seine Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft kurzfristig in Gefahr, als er sich in einem Vorbereitungsspiel den Arm verletzte. Nicht nur sein Tor im Eröffnungsspiel bewies jedoch, dass Philipp Lahm durch die Spezialmanschette, die er noch tragen muss, nicht behindert wird.

Eine besondere Anerkennung erhielt Philipp Lahm von einem Mann, der als einer der weltbesten Fußballer gilt, auch wenn er nach seiner aktiven Zeit nicht immer durch vorbildliche Lebensführung geglänzt hat: Der Argentinier Diego Armando Maradona ist voll des Lobes über den Linksverteidiger mit Offensivdrang.

Lahm selbst meinte zu seinem gelungenen Torschuss: „Es war das Tor meines Lebens, in meinem Stadion, in meiner Stadt, vor meiner Haustür. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen.“

 

Aus SdZ vom 16.06.06

 

 

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Stand: Montag, 31. Juli 2006.