1.Artikel
Schäfere
Gesetze sollen die Straßen sicherer machen!
Seit
dem 1. Juli gilt in der Tschechischen Republik eine neue Straßenverkehrsordnung!
Tschechiens Straßen sollen sicherer werden. Das erhofft sich jedenfalls
die Regierung mit der neuen Straßenverkehrsordnung, die am 1. Juli in
Kraft getreten ist. Zudem will der Gesetzgeber mit der Novelle das
tschechische Recht an EU-Niveau anpassen.
Die
wichtigsten Änderungen sind die Einführung der ganzjährigen
Lichtpflicht sowie ein Punktesystem, vergleichbar mit der Flensburger
Verkehrssünderkartei. Alkohol am Steuer wird Straftat: Wer alkoholisiert
oder unter Drogeneinfluss Auto fährt, bekommt nicht nur eine satte
Geldstrafe, sondern kann auch mit Gefängnis bis zu zwei Jahren bestraft
werden. Darüber hinaus gibt es – ja nach Alkoholisierungsgrad –
zwischen drei und sechs Punkte. In der Tschechischen Republik gilt die 0
Promille Grenze! Drei Punkte auf ihrem Konto erhalten Fahrer auch, wenn
sie innerorts 20 und außerorts 30 Stundenkilometer schneller fahren als
erlaubt. Wer in den Kreisverkehr hineinfährt, braucht nicht zu blinken.
Aber das Setzen des Blinkers ist erforderlich, wenn innerhalb des
Kreisverkehrs die Spur gewechselt oder der Kreisel verlassen wird.
Wichtig
für Brummifahrer: Die so genannten Elefantenrennen sollen endgültig der
Vergangenheit angehören. Denn ab sofort dürfen Lastwagen über 3,5
Tonnen nur überholen, wenn sie erheblich schneller sind als ihre
Trucker-Kollegen. LKW über 7,5 Tonnen haben sich auf neue
Fahrverbotszeiten einzustellen. Von 1. Juli bis 31. August gilt das
Fahrverbot am Samstagen nun ab 13 Uhr, bisher durfte man bis 20 Uhr
fahren. Neu ist auch, dass am Freitag von 17 bis 21 Uhr der LKW auf den
Parkplatz muss. Aber dieses Verbot gilt nur auf Autobahnen und Straßen
der 1. Klasse. Gut vor allem für Kleinwagenbesitzer: Ab sofort dürfen
Fahrzeuge auch quer oder senkrecht zum Gehsteig abgestellt werden. Ein
entsprechendes Schild muss man nicht suchen. Allerdings sollte das
Fahrzeug so abgestellt werden, dass auf der Fahrbahn ein Platz von
mindestens drei Metern bleibt. Wer kleiner ist als 1,50 Meter und weniger
als 36 Kilo wiegt, muss in den Kindersitz. Die Pflicht gilt auf
tschechischen Strassen aller Kategorien. Wer sich nicht daran hält,
bekommt zwei Punkte. Drei Punkte gibt es für das Telefonieren bei der
Fahrt. Daher sollten sich Telefonierer unbedingt eine Freisprechanlage
zulegen.
Teuer
kann es werden, wenn man rasen und dabei sparen möchte. Radarfrühwarnsysteme
sind in Tschechien verboten. Wer erwischt wird, muss bis zu 100 000 Kronen
(3000 Euro) Strafe zahlen. Seit 1. Juli ist auch das Fahren ohne gültige
Fahrerlaubnis ein Straftatbestand. Darüber hinaus müssen sich
Autofahrer, die älter als 60 Jahre sind, alle zwei Jahre einer
gesundheitlichen Kontrolle unterziehen. Das Attest muss der Fahrer stets
bei sich haben. Auch für Radfahrer hat sich einiges geändert. So sind
sie bis zum Alter von 18 Jahren verpflichtet, Schutzhelme zu tragen.
Bisher lag die Grenze bei 15 Jahren. Außerdem müssen von nun an Radler
auch ein Handzeichen geben, wenn sie einen Fahrradfahrer überholen.
Reisende sollten auch auf Ersatzglühlampen und Warnweste nicht vergessen.
Auch diese eigentlich unscheinbaren Kleinigkeiten werden gerne
kontrolliert. Bei Beanstandungen werden Strafen zwischen 300 und 1000
Kronen fällig, das sind ca. 10 bis 33 Euro.
2.Artikel
Der
Mai ist gekommen!
Welch
eine Freude bei der Jugend in Hainspach: Die Gondel-Saison auf dem
Hainspacher Schlossteich wurde eröffnet. Landsmann Kunert von der
„Alten Post“ hatte alles vorbereitet, und frisch gestrichen schoben
sich sechs Ruderboote in den dunkelblauen Teich. Ich weiß nicht mehr, was
die Stunde kostete, aber es waren immer genug Interessenten da. Und die
Insel zu umfahren, war stets ein besonderer Genuss. Denn dahinter
versteckt, gab es so manchen ersten Kuss.
1940/41
– ich war damals Standortführer der HJ und habe gemeinsame Heimabende
von BdM und HJ veranstaltet und sie bei schönem Wetter auf die Ruderboote
am Schlossteich verlegt. Und dort sangen wir unsere Volkslieder. Der
umwaldete Teich bot eine hervorragende Akustik, die bis im Dorf hörbar
war. Die Leute kamen, setzten sich vor dem Schloss ins Gras oder
flanierten in der Lindenallee. Es war eine wunderschöne Atmosphäre und
die wurde mit viel Beifall bedacht.
Inzwischen
wurde die Stimmung immer bedrückter. Die ersten Schwerverletzten und Tote
aus dem Krieg wurden gemeldet. Im Schützenhaus wurde ein französisches
Kriegsgefangenenlager eingerichtet. Nur die Natur – der Schlossteich –
blieb uns erhalten und damit auch die herrlichen Liederabende. Doch jetzt
gab es eine neue Variante. Im Wechsel mit uns sangen die französischen
Kriegsgefangenen ihre schönsten Lieder. Die Michel Friedel, die Neumann
Traudl und die Vogtl Gretl müssten sich noch erinnern. Wir sangen „Lili
Marleen“, und wenn dann leichter Nebel den Teich bedeckte, sangen wir:
Aus
dem dunklen Raume, aus der Erde Grund,
hebt
sich wie im Traume dein verliebter Mund.
Wenn
sich die späten Nebel drehn,
werd
ich bei der Laterne stehn,
wie
einst Lili Marleen – wie einst Lili Marleen !
Das
war Romantik und Sehnsucht pur und manche Träne ran. Danach sangen die
französischen Kriegsgefangenen auf französisch – aber auch auf
deutsch:
Komm
zurück, ich warte auf Dich,
denn
du bist für mich all mein Glück !
Komm
zurück, ruft mein Herz immerzu,
nun
erfülle Du – mein Geschick !
Ist
der Weg auch weit, führt er Dich
und
auch mich in die Seligkeit.
Komm
zurück – komm zurück!
Eine
tolle Darbietung mit viel Applaus! Beide Lieder haben Freund und Feind
innerlich vereint – wie heißt es doch: „Musik kennt keine Grenzen!“
Hier wurde es Wirklichkeit.
Und
was ist geblieben? Uns hat man vertrieben, die Franzosen sind abgezogen,
das „Schützenhaus“ eine traurige Gaststätte. Nur der Schlossteich,
die Lindenallee und die verwahrloste Ruine des Schlosses sind geblieben.
Trotz
allem sollten sich auch heute die jungen Tschechen an schönen Frühlings-
und Sommerabenden an den Ufern des Schlossteiches zusammenfinden und auch
ihre schönen Lieder singen, z.B. „Pod nazˇima okny´, tecˇe
vodicˇka …“. Vielleicht steigen auch mit dem Nebel die
Voreingenommenheit und der z.T. noch vorhandene Hass gegen uns in den
Himmel. Die Natur ist so friedlich, warum wir Menschen nicht auch?
Hermann
Nadler
3.Artikel
Grußworte
zum 57. Sudetendeutschen Tag
Grußwort
des Bayerischen Ministerpräsidenten
Mein
herzlicher Gruß gilt allen Sudetendeutschen, die vom 2. bis 4. Juni 2006
zum Sudetendeutschen Tag in Nürnberg zusammenkommen. Ich freue mich schon
auf die Begegnung mit Ihnen.
Sie
bringen in diesem Jahr in ganz besonderer Weise die Erinnerung an Ihre
Vertreibung mit. Vor 60 Jahren, 1946, kamen weit über 700 Züge mit rund
800 000 vertriebenen Sudetendeutschen nach Bayern. Die vertriebenen
Sudetendeutschen standen hier vor dem Nichts.
In
einer großen Gemeinschaftsanstrengung aller Bayern und aller Vertriebenen
gelang die Integration. Sie wurden zum vierten Stamm Bayerns, der
Bayerische Ministerpräsident zum Schirmherrn über die sudetendeutsche
Volksgruppe.
Das
Unrecht der Vertreibung ist zwischen Sudetendeutschen und Tschechen noch
nicht aufgearbeitet. Diese große Aufgabe liegt noch vor uns.
Voraussetzung dafür ist der gemeinsame Dialog, auf den wir seit Jahren
hinarbeiten.
Im
vergangenen Jahr gab es hoffnungsvolle Zeichen für Fortschritte im
sudetendeutsch- tschechischen Verhältnis. Diesen Weg will ich gerade in
diesem Jahr, 60 Jahre nach Ihrer Vertreibung, mit Ihnen zusammen
weitergehen. Der Sudetendeutsche Tag in Nürnberg 2006 kann dazu ein
Signal setzen. Als Schirmherr und Bayerischer Ministerpräsident heiße
ich alle Sudetendeutschen in Nürnberg herzlich willkommen!
Dr.
Edmund Stoiber
Bayerischer
Ministerpräsident
Grußwort
des Sprechers der sudetendeutschen Volksgruppe
Sehr
geehrte Damen und Herren, liebe Landsleute!
Pfingsten,
das „liebliche Fest“, steht vor der Tür. Es ist das Fest, an dem wir
Sudetendeutschen uns treffen. Wir tun dies gerne; wir tun dies in heiterer
Freude; wir tun dies in Gemeinschaftssinn.
Das
Gefühl der Zusammengehörigkeit ist gefestigt worden durch die
Vertreibung. Wir Sudetendeutsche waren ja unseres Eigentums, unserer
Heimat und des Rechtsschutzes beraubt worden. Dieses bittere Schicksal hat
uns nicht zermürbt, sondern zusammengeschweißt; es hat uns nicht
entmutigt, sondern geschlossen und entschlossen gemacht.
Obwohl
aller materiellen Güter beraubt und heimatlos geworden, haben wir die
Wurzeln, aus denen wir zehrten, bewahrt. Das wiederum hat uns zu
gewaltiger Aufbauarbeit befähigt. Mit Verwunderung sehen die, die uns
alles genommen haben, dass wir jetzt in mancher Hinsicht besser dastehen
als sie selbst. Uns gibt das Selbstbewusstsein und innere Souveränität;
es befreit uns von Bitternis und Missgunst.
Der
Blick zurück – auf erlittenes Unrecht ebenso wie auf eigene
Verfehlungen – bleibt indes für uns unverzichtbar. Die Erinnerung
befreit ja; und sie erlöst, wie Ben Elieser, ein weiser Rabbi, gesagt
hat. „Das Vergessen dagegen führt ins Exil“, meinte er. Weil das so
ist, halten wir nicht nur uns, sondern auch unseren früheren Landsleuten,
den Tschechen, dort, wo es nötig ist, den Spiegel vor.
Die
nächsten Jahre sind für uns von entscheidender Bedeutung. Die Zahl der
Zeitzeugen, die Entrechtung und Vertreibung am eigenen Leib erlebt haben,
wird immer kleiner. Das durchlebte Leid darf aber – damit es sich nicht
so leicht wiederholt – nicht vergessen werden. Die Opfer der Jahre 1918
bis 1946 haben einen Anspruch darauf, ins Recht gesetzt zu werden. Die
Gerechtigkeit ist die Grundlage des Friedens.
Ihr
Johann Böhm
Sprecher
der sudetendeutschen Volksgruppe
Präsident
des Bayerischen Landtages a. D.
4.Artikel
Das
erste Tor der Fußball-Weltmeisterschaft schoss ein Sudetendeutscher!
Fußball-Weltmeisterschaft
2006, Eröffnungsspiel in München, Deutschland gegen Costa Rica. Nach
wenigen Minuten greift sich ein junger Mann namens Philipp Lahm den Ball,
zieht leicht von außen nach innen, fasst sich ein Herz und schlenzt den
Ball aufs Gehäuse. Es wird ein Traumtor, Innenpfosten Tordreieck,
unhaltbar für den Torwart des mittelamerikanischen Gegners. Es steht 1 :
0 für Deutschland, das Spiel endet 4 : 2.
Warum
ist diese Szene in einer sudetendeutschen Zeitung einer Erwähnung wert?
Die Fußballanhänger haben sie sicherlich schon mehrfach gesehen, die Fußballmuffel
interessiert sie ohnehin nicht. Der Torschütze, Philipp Lahm, aber
interessiert. Der junge Mann, Jahrgang 1983, hat nämlich sudetendeutsche
Wurzeln. Sein Großvater Rudolf wurde in Schönbrunn/Kreis Tachau geboren,
und wie zu hören war, steht der junge Fußball-Nationalspieler auch zu
den Wurzeln seiner Herkunft. Mittlerweile hat er auch den Kontakt zur
Heimatgemeinde seines Großvaters aufgenommen.
Der
gelernte Bankkaufmann und derzeitige Profi beim FC Bayern München war vor
seiner „Rückholung“ zum deutschen Rekordmeister an den VfB Stuttgart
ausgeliehen, musste aber nach einem Fußbruch monatelang pausieren.
Zuletzt geriet sogar noch seine Teilnahme an der Fußball-Weltmeisterschaft
kurzfristig in Gefahr, als er sich in einem Vorbereitungsspiel den Arm
verletzte. Nicht nur sein Tor im Eröffnungsspiel bewies jedoch, dass
Philipp Lahm durch die Spezialmanschette, die er noch tragen muss, nicht
behindert wird.
Eine
besondere Anerkennung erhielt Philipp Lahm von einem Mann, der als einer
der weltbesten Fußballer gilt, auch wenn er nach seiner aktiven Zeit
nicht immer durch vorbildliche Lebensführung geglänzt hat: Der
Argentinier Diego Armando Maradona ist voll des Lobes über den
Linksverteidiger mit Offensivdrang.
Lahm
selbst meinte zu seinem gelungenen Torschuss: „Es war das Tor meines
Lebens, in meinem Stadion, in meiner Stadt, vor meiner Haustür. Ich kann
mir nichts Schöneres vorstellen.“
Aus
SdZ vom 16.06.06
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